ETF - thesaurierend oder ausschüttend?

Thesaurierend oder ausschüttend – welcher ETF ist der bessere?

25.01.2021

ETFs eignen sich hervorragend für den Vermögensaufbau. Bei einem Index-Fonds kommt es immer wieder zu Ausschüttungen, wenn die Einzelunternehmen die Quartalsergebnisse berichten und ihren Anlegern die Dividende zugestehen. Bei Anleihen werden regelmäßig Zinsen gutgeschrieben.

Nun gibt es zwei Möglichkeiten, mit diesen Erträgen umzugehen. Entweder der Anleger erhält sofort eine Auszahlung und verbraucht die Gewinne. Oder der Fonds investiert die Beträge sofort wieder, was für den Investor eine Erhöhung seines Anteils bedeutet, und seine Renditechancen steigen. Letzteres kennt der Experte als „thesaurieren“, und so nennt sich auch der entsprechende Fonds-Typ. Ausschüttende Fonds hingegen eignen sich, wenn die Dividenden- oder Zins-Erträge unmittelbar zur Verfügung stehen sollen.

Genau gesagt stammt der Finanzbegriff „Thesaurierung“ aus der altgriechischen Sprache und meint „Schatzhaus“ oder „Schatzbildung“. Thesaurierend bedeutet, der Fonds schüttet die Erträge nicht an die Anleger aus, sondern erhöht immer weiter das Anlagekapital. Voraussetzung ist allerdings eine positive Rendite des Index. Durch die Erhöhung des Vermögens greift auch der Zinseszinseffekt. Dieser besagt, dass auch mit geringen Wertsteigerungen durch die fortlaufende Verzinsung mit der Zeit ein erheblicher Vermögenszuwachs entsteht.

Die Abgeltungssteuer bei ETFs

Bei Gewinnen aus Kapitalanlagen wird grundsätzlich die Abgeltungssteuer fällig, das gilt auch für ETFs. Ebenso unterliegen Dividenden oder Zinsen der Besteuerung. Zur Zeit beträgt die Abgeltungssteuer 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer.

Grundsätzlich kennt das Finanzamt nur Fonds, ob ausschüttend oder thesaurierend macht keinen Unterschied bei der Besteuerung. Wichtig ist allerdings, wann der Fonds die Einnahmen verbucht, und somit ergeben sich verschiedene Termine, an denen die Abgeltungssteuer fällig wird.

Fonds im Ausland und die Steuererklärung

Bei einem ausschüttenden Fonds erhält der Anleger seinen Dividenden- oder Zinsertrag jeweils mit der Auszahlung. Und die Abgeltungssteuer wird sofort von der Bank einbehalten und an das Finanzamt überwiesen. Der thesaurierende Fonds verbucht die Einnahmen aber am Jahresende, und der Steueranteil wird deshalb erst dann dem Fondsvolumen entnommen und an die Steuerbehörde weitergeleitet. Dies gilt allerdings nur, wenn der Fonds in Deutschland ansässig ist.

Ausländische Fonds sind hingegen zum Einbehalten der Steuer nicht verpflichtet, deshalb macht auch ein Freistellungsauftrag hier keinen Sinn. Egal wie hoch die Gewinne sind, in jedem Fall ist es nur möglich, über die Einkommenssteuererklärung seine Veranlagung zu erklären. Der Anleger trägt also in der Anlage KAP seine Dividendenerträge ein. Viele Depotbanken lassen ihren Kunden am Jahresende eine Jahressteuererklärung zukommen. Dieser Auflistung kann man die angefallenen Erträge zu entnehmen, und oft geben die Banken Hinweise, in welches Feld der Anlage KAP die entsprechenden Beträge einzutragen sind.

Vor- und Nachteile der ETF-Varianten

Wer sich für das Ansparen mittels ETFs entschieden hat, steht bald vor der Entscheidung, welchen Fonds-Typ er wählen soll. Thesaurierende ETFs bringen diverse Vorteile mit. Durch das ständige Reinvestieren entfallen die Gebühren, die beim Kauf von neuen Fondsanteilen anfallen würden. Außerdem entsteht ein ständiger zusätzlicher Wertzuwachs, der den langfristigen Vermögensaufbau unterstützt. Besonders bei einem Sparplan sind diese Fonds die bessere Methode, um schnell und unkompliziert die Einlagen zu erhöhen.

Die ausschüttenden Fonds sind allerdings flexibler. Die ausgezahlten Erträge können leichter in neue Investitionen fließen, und der Anlagehorizont wird bei dieser Variante deutlich erweitert. So ist der Anleger besser diversifiziert und gegen Kursverluste abgesichert.

Die Qual der Wahl: Ausschüttend oder thesaurierend?

Welche Methode sinnvoller ist, hängt sehr von den Zielen der Investitionen ab und vom Typ des Börsianers. Wer langfristig Kapital aufbauen will, ist mit einem Sparplan und thesaurierenden ETFs sicher gut beraten. Andere wollen aktuelle Gelegenheiten nutzen, die sich im Wirtschaftsgeschehen immer wieder bieten. Dann sollte jederzeit Geld in der Kasse sein, das durch die Ausschüttungen regelmäßig bereitgestellt wird.

Die Antwort auf die oben gestellte Frage kann deshalb nicht eindeutig ausfallen. Zu unterschiedlich sind die individuellen Vorstellungen und Ansprüche an die Entwicklung des Portfolios. Grundsätzlich enthält ein ausschüttender Fonds aber eine gewisse Risiko-Komponente, während das Thesaurieren doch mehr dem konservativen Anlagetyp entgegenkommt, der langfristig und beständig sein Vermögen aufbauen will.

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