Manchmal zum Verzweifeln - diese Steuern fallen im Depot an.

Abgeltungssteuer 2021 – hier hält der Fiskus die Hand auf

22.01.2021

Jeder private Anleger muss auf seine Gewinne eine Abgeltungssteuer in Höhe von 25 Prozent zahlen. Die Steuer wird von dem Kreditinstitut, das sein Depot führt, an das zuständige Finanzamt überwiesen.

Die Abgeltungssteuer gibt es seit dem 1.1.2009. Auf Kapitalerträge fallen einheitlich 25 Prozent Steuern an. Grundsätzlich muss der Anleger nicht länger die Anlage KAP ausfüllen, wenn der Steueranteil bereits vom Broker abgezogen und überwiesen wurde. Allerdings gibt es auch hier Ausnahmen.

Welche Anlagen sind betroffen?

Eine ganze Reihe von Kapitalerträgen unterliegen der Abgeltungssteuer. Gewinne aus Aktiengeschäften mit Wertzuwachs gehören dazu, Dividenden, auch aus Genossenschafts- oder GmbH-Anteilen, aus Zertifikaten, Optionen und Optionsscheinen, aus Fonds. Außerdem sind alle Zinsgewinne steuerpflichtig, egal ob sie auf dem Girokonto oder dem Sparbuch aufgelaufen sind. Stichtag ist immer der 1.1. 2009, an dem die Neuerung in Kraft getreten ist. Stammen Investitionen noch aus der Zeit davor, werden sie separat behandelt.

Auf der anderen Seite gibt es einige Ausnahmen. Befreit sind Gewinne aus einem Gesellschafterdarlehen an eine Kapitalgesellschaft, wenn der Gesellschafter einen Anteil von mehr als 10 Prozent hält. Gleiches gilt für Erträge aus einer wesentlichen Beteiligung oder aus einem Darlehen an eine nahestehende Person.

Neue Regelung sorgt für Einfachheit

Für den Steuerzahler bedeutet die einheitliche Steuer mehr Übersichtlichkeit. Denn als noch die Kapitalertragssteuer gab, waren manche Erträge steuerpflichtig, andere nicht. Den einen Gewinn berechnete das Finanzamt zur Hälfte, manche in voller Höhe. Die Einnahmen aus Kapitalvermögen wurden außerdem zu unterschiedlichen Steuersätzen veranlagt. Umständlicherweise musste jeder Ertrag einzeln angegeben werden, so dass eine ansehnliche Menge von Formularen zusammenkommen konnte.

Seit 2009 ist die Steuererhebung erheblich einfacher. Die Bank überweist die Abgeltungssteuer automatisch an die Finanzbehörde, also gleich von der „Quelle“. Deshalb auch die Bezeichnung „Quellensteuer“, die jeder Arbeitnehmer von seiner Steuerkarte kennt. Das Geldinstitut erstellt jährlich eine Übersicht mit allen Kapitalerträgen, schickt sie an den Kunden und überweist den fälligen Steuerbetrag ans Finanzamt.

Die Freibeträge bei der Abgeltungssteuer

Wie bei anderen Steuerarten gibt es auch bei der Abgeltungssteuer Freibeträge, um kleine Einkommen nicht all zu sehr zu belasten. Dem einzelnen Privat-Investor wird ein Freibetrag von 801 Euro zugestanden, bei einem gemeinsam veranlagten Paar sind es 1 602 Euro. Wahrnehmen kann man den Vorteil durch einen Freistellungsauftrag, der beim zuständigen Geldinstitut eingereicht wird. Soll der Antrag bei der zuständigen Finanzbehörde gestellt werden, geht es um die Nichtveranlagungsbescheinigung. Das Finanzamt oder die Bank berechnen die Steuer dann nur für Beträge, die oberhalb des Freibetrags liegen.

Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer

Wie bei anderen Einnahmen auch sind zusätzlich noch der Solidaritätszuschlag und die Kirchensteuer zu entrichten. Die Abgabe für unsere Brüder und Schwestern im Osten beträgt 5,5 Prozent des Steuerbetrags, beide zusammen belaufen sich auf 26,375 Prozent. Berechnet wird der Zuschlag entweder von der Bank oder vom Finanzamt. Wer es genau nachvollziehen will, benutzt folgende Formel:

(0,25 x 5,5) % + 25 % = 26,375

Der Soli entfällt 2021 – leider nicht für alle …

Lange ersehnt und endlich umgesetzt: Der Solidaritätszuschlag wird 2021 nicht mehr erhoben, denn der Osten kann nun allein klarkommen. Aber das Finanzministerium hat sich ein paar Besonderheiten ausgedacht. Wie so oft gibt es auch beim Soli Ausnahmen. Und tatsächlich, während bei anderen Einnahmen Grenzbeträge definiert wurden, bleibt bei Kapitaleinnahmen alles wie es war, der Solidaritätszuschlag wird weiter in voller Höhe berechnet. Auch die Freibeträge bleiben erhalten.

Bei der Kirchensteuer ist wieder nur die Bank für die Berechnung und die Abbuchung zuständig. Bereits seit 2015 erhalten die Geldinstitute die Daten mit der Kirchenzugehörigkeit der Anleger und leiten die entsprechenden Beträge automatisch weiter. Insgesamt ergibt sich je nach Kirchenzugehörigkeit und Bundesland eine Steuerforderung inklusive Soli zwischen 26,375 und 27,8 Prozent.

Gibt es noch Verwendung für die Anlage KAP?

Zwar sind die Investoren mit der Vereinfachung bei der Steuerberechnung sehr zufrieden, allerdings sind noch einige Einnahmen von den neuen Regelungen ausgenommen. Dazu gehören Kapitalerträge von Auslandskonten, Gewinne aus einem Verkauf der Lebensversicherung, Erstattungszinsen des Finanzamts und Zinsen aus Darlehen an eine Privatperson.

Denn diese Einnahmen kann das Institut nicht erfassen, also muss der Begünstigte dem Finanzamt die Erträge selber mitteilen. In der Steuererklärung füllt er also die Anlage KAP aus, und die Steuerbehörde berechnet die Abgeltungssteuer in Höhe von 25 Prozent.

Vorteile mit der Anlage

Darüber hinaus gibt es auch Gelegenheiten, bei denen das Ausfüllen der Anlage für den Investor vorteilhaft ist. Der Antrag lohnt sich besonders, wenn der persönliche Steuersatz niedriger ist als die oben genannten 26,375 Prozent, die für die Abgeltungssteuer einschließlich Solidaritätszuschlag fällig werden. Dann wird der Anleger mit dem geringeren Steueranteil belastet.

Bisweilen soll es vorkommen, dass bei mehreren Banken Freistellungsaufträge gestellt und falsch verteilt wurden. Mit der Anlage KAP erhält der Anleger vom Finanzamt die Beträge zurück, die er zu viel gezahlt hat. Außerdem können ausländische Quellensteuern nicht angerechnet worden sein, so dass ebenfalls ein zu hoher Steueranteil einbehalten wurde. Auch hier führt das Ausfüllen der Anlage zu einer Erstattung.

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