Gettex ist die elektronische Handelsplattform der Börse München

Gettex – die elektronische Plattform der Börse München im Porträt

29.12.2020

Gettex ist das vollelektronische Handelssystem der Börse München. Seit dem 19.01.2015 steht das schnelle Börsensystem für die Kundschaft bereit. Den angeschlossenen Geldinstituten bietet das zeitgemäße Handelsmodell diverse Vorteile und vor allem Synergien.

Mit der Anbindung von Gettex an drei Plattformen reduzieren sich die Kosten für die technische Nutzung. Denn mit dem Börsenplatz für Spezialisten Max-one der Börse München, dem OTC-Geschäft der Baader Bank und dem Gettex-Handel für den Privatanleger steht nun eine weite Palette von Angeboten bereit.

Die Geschäfte gleicht man nicht jeweils einzeln ab, sondern alle Investments einer Wertpapiergattung werden im Verbund am Tagesende abgewickelt. Für die beteiligten Banken entstehen also geringere Kosten bei der Verrechnung ihrer Geschäfte. Das Routing-Angebot komplettiert das Spektrum der angebotenen Dienstleistungen. Mit dieser Option erreicht der Kunde andere Börsen im In- und Ausland und spart zusätzliche Anschlusskosten.

Der Münchener Handelsverein ist zu 100 Prozent Anteilseigner der Bayrischen Börse AG. Diese ist Betreiberin der öffentlich-rechtlichen Börse München. Market Maker auf Gettex für Aktien, Anleihen, ETPs und Investmentfonds ist die Baader Bank. Im Jahr 2016 nahm der Handelsplatz Optionsscheine und die Zertifikate von der HypoVereinsbank sowie der HSBC Deutschland in sein Angebot auf. Die Emittenten dieser Papiere sind gleichzeitig Market Maker.

Geringe Kosten für Anleger

An den Parkettbörsen sind Makler-Courtagen und Börsenentgelte üblich, auf Gettex entfallen diese jedoch vollständig. Damit ergibt sich besonders für Privatanleger eine kostengünstige Alternative für ihre Investments im Vergleich mit anderen Börsenplätzen. Der Erfolg des Handelsplatzes zeigt sich, wenn man die Zahl der angebotenen Titel vergleicht: Waren zunächst 13.000 Wertpapiere verfügbar, stieg das Angebot auf mittlerweile etwa 20.000 Werte. Im Handel mit Zertifikaten kann der Kunde inzwischen aus 220.000 Papieren seine Auswahl treffen.

Die gesamte Anzahl der auf Gettex handelbaren Anlagen beläuft sich mittlerweile auf die stolze Zahl von 240.000. Darunter befinden sich deutsche und internationale Aktien, Anleihen, Fonds sowie Exchange Traded Products (ETPs), an der Börse gehandelte Fonds (ETFs) und Rohstoffzertifikate (ETCs). Die Abwicklung aller Anlage- und Hebelprodukte erfolgt direkt durch die Emittenten, die als Market Maker fungieren.

Der Kunde kann Wertpapiere aus mehr als 60 Ländern handeln. Darüber hinaus sind Anleihen in mehr als 20 Währungen im Angebot, darunter gängige Derivate wie der Schweizer Franken, das Britische Pfund oder der US-Dollar. Aber auch exotische Investments wie die Türkische Lira oder die Indonesische Rupiah sind verfügbar. Zudem ist Gettex der erste Börsenplatz, der in Deutschland Zertifikate und Währungsanleihen seinen Kunden auf Dauer frei von Entgelten und ohne Courtage anbietet.

Steigende Umsätze bei Gettex

Besonders bei Zertifikaten konnte Gettex seine Umsätze und auch die Zahl der Orderausführungen kontinuierlich steigern. Der Umsatz im Orderbuch verbesserte sich während des zweiten Quartals in 2020 um deutliche 17 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Die Zahl der ausgeführten Trades stieg gar um 25 Prozent. Im gesamten Handel mit Zertifikaten aller Emittenten standen 2020 im zweiten Quartal 86.783 Trades zu Buche, der Orderbuchumsatz belief sich auf 310 Mill. Euro.

Vor allem die vorteilhafte Gebührenstruktur ist der Grund für das Interesse der Anleger. Besonders handelsaktive Kunden nutzen die Börse, deren Gewinne normalerweise durch die Gebühren eingeschränkt sind. Wenn die Orderkosten aus der Handelsentscheidung ausgeklammert werden können, steigt das Aktivitätspotential. Auch bei häufigen Engagements wirken sich die Orderkosten nicht mehr unbedingt als Belastung auf die Bilanz aus.

Der Market Maker im elektronischen Handel

Der kostengünstige und schnelle Direkthandel überzeugt nicht nur den Privatanleger, auch Finanzberater und institutionelle Investoren von internationalem Format nutzen den Börsenplatz. Obwohl mit einem elektronischen System ausgestattet, wird der Handel auf Gettex ausschließlich von Market Makern durchgeführt. Als Gegenpartei sorgen sie kontinuierlich für eine ausreichende Liquidität bei allen Transaktionen und garantieren so eine jederzeit hohe Qualität der Ausführungen.

Aktuellste Marktentwicklungen, Nachrichten aus Unternehmen und politische Anlässe sind häufig die Grundlage für die Entscheidungen der Anleger. Mit den kostenlosen Kursen in Realtime steht ihnen eine Möglichkeit zur Verfügung, unmittelbar auf neueste Chancen zu reagieren. Die Investoren profitieren von schnellen Ausführungen, handeln live sowohl bei Zertifikaten als auch bei anderen Papieren und kommunizieren direkt mit ihrem Market Maker.

Nachteile des Handels mit dem Market Maker

Im Gegensatz zu anderen Handelsplätzen hat der Market Maker auf Gettex Einblick ins Orderbuch. Das kann zunächst ein Vorteil sein, wenn er sich fair verhält und dem Kunden den besten Preis anbietet. Leider verhalten sich nicht alle Market Maker auf diese Weise, deshalb sollte der Investor ebenfalls realtime die Kurse einsehen können. Nur so kann er nachvollziehen, ob das Angebot tatsächlich der Marktsituation entspricht.

Denn der Market Maker handelt durchaus im eigenen Interesse oder im Sinne seines Arbeitgebers. Besonders wenn keine Courtage anfällt, finanziert sich die Bank durch den Spread oder durch einen höheren Preis bei der Ausführung. Ohne Einblick ins Orderbuch ist der Anleger benachteiligt, denn er ist nicht in der Lage, den Preis des Market Makers realistisch zu bewerten.

Ordertypen auf Gettex

Die Market Order

Die Ausführung erfolgt unmittelbar zum aktuellen Kurs des Wertpapiers.

Die Limit Order

Der Anleger bestimmt mit seinem Limit den Höchstpreis, den er für das Wertpapier zahlen will. Die Ausführung erfolgt also erst, wenn zu dem angegebenen Preis oder einem besseren ein Kauf möglich wird. Damit schließt der Anleger die Möglichkeit aus, dass ein bestimmter Preis zu seinem Nachteil überschritten wird.

Stop Market Order

Wird der Stop erreicht oder unterschritten, gibt das Handelssystem die Position an den Markt. Die Ausführung erfolgt zum nächsten gestellten Kurs.

Stop Limit Order

Dieser Ordertyp ist eine Variante der verbreiteten Stop Loss Order. Zusätzlich zum Verkaufskurs gibt der Kunde ein Limit an. Erreicht der Kurs den Stop, wird die Position ins Orderbuch gestellt. Das Limit garantiert, dass nur zu dem maximalen Preis eine Ausführung erfolgt.

Trailing Stop Order

Mit dem Orderzusatz „Trailing Stop“ legt der Kunde einen flexiblen Stop-Kurs fest. Der Stop Los passt sich als Trailing Wert der Marktentwicklung an. Steigt der Kurs und wird größer als dieser Wert, korrigiert das System den Stop Preis und setzt ihn ebenfalls höher. Fällt jedoch der Kurs des Wertpapiers, bleibt der Stop unverändert. Erreicht der Preis des Investments den Trailing Stop oder bewegt er sich weiter abwärts, gibt die Software die Position an den Markt, und sie wird zum nächst verfügbaren Bid-Kurs ausgeführt.

Mit dem Trailing Stop sichert der Anleger seine Gewinne, ohne ständig den Markt beobachten zu müssen. Verluste lassen sich so begrenzen. In der Ordermaske wird der Abstand in Prozent oder in Punkten eingetragen. Vorsicht: Dieser Orderzusatz ersetzt nicht den üblichen Stop Loss. Denn der Trailing Stop wird erst aktiv, wenn das Papier den Trailing-Wert erreicht hat. Dreht die Anlage bereits vorher, bleibt er ohne Wirkung. Fehlt dann die standardmäßige Verlustbegrenzung durch einen Stop Loss, verbilligt sich die Investition ungehindert weiter.

One cancels the Other

Der Kunde gibt zwei Orders für die selbe Position auf. Eine wird ausgeführt, die andere gelöscht.

Die Handelszeiten auf Gettex

Aktien, ETPs und Fonds, außerdem Anlage- und Hebelprodukte sind handelbar von 8 Uhr bis 22 Uhr.

Der Anleihehandel ist möglich von 8 Uhr bis 20 Uhr.

Wie unterscheiden sich Gettex und Xetra?

Xetra ist mit weitem Abstand der größte Börsenplatz in der Bundesrepublik. Etwa 90 Prozent aller Umsätze werden auf dieser Plattform getätigt. Gettex hingegen ist deutlich kleiner und besonders für Kleinanleger interessant. Der Handel auf Xetra ist vollkommen automatisiert, auf Gettex übernimmt ein Market Maker die Abwicklung der Handelsgeschäfte.

Die Broker mit einer Anbindung an die Münchner Börse

Wer auf Gettex handeln will, kann sich nicht direkt an den Market Maker wenden. Vielmehr benötigt er ein Konto bei einer der bekannten Banken, die ein Depot für ihn führt. Im Folgenden eine Liste der Broker, die den Handel auf Gettex möglich machen:

  • Baader Bank
  • Comdirect
  • 1822 direct
  • DAB BNP Patibas
  • Commerzbank
  • DKB
  • DADAT Bank
  • dwp Bank
  • Donner & Reuschel
  • Flatex
  • Flatex.at
  • HSBC
  • Gratis Broker
  • onemarkets by Hypovereinsbank
  • mwb Wertpapierhandelsbank
  • Sino
  • scalable Capital
  • Smartbroker
  • ViTrade
  • Steubing AG
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