Unternehmen wollen ihr Grundkapital vergrößern und führen deshalb eine Kapitalerhöhung durch.

Kapitalerhöhung – das sollten Privatanleger dabei beachten

28.12.2020

Die Kapitalerhöhung ist eine Maßnahme eines Unternehmens, bei der durch die Ausgabe neuer Aktien das Eigenkapital vergrößert wird. Aktionäre müssen der Kapitalerhöhung auf der Hauptversammlung zustimmen. Für sie ist besonders interessant, für welchen Zweck die Gesellschaft frisches Geld benötigt. Dies kann nämlich Krise oder Wachstum bedeuten.

Warum wird eine Kapitalerhöhung durchgeführt?

Wenn das zusätzliche Kapital zum Abbau von Schulden oder für neue Investitionen verwendet werden soll, dann kann eine Kapitaleröhung durchaus zu höheren Aktienkursen führen. Sollte sie jedoch als letztes Mittel eingesetzt werden, um beispielsweise die Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens aufrecht zu erhalten, dann wird der Kurs vermutlich sinken. Es lohnt sich also, genau hinzusehen, wenn eine Aktiengesellschaft eine Kapitalerhöhung ankündigt.

In vielen Fällen wird vor einer Kapitalerhöhung nicht erst eine Hauptversammlung einberufen, damit die Aktionäre dem Plan zustimmen können. Vielmehr lassen sich die Unternehmen diese Maßnahme im Voraus für fünf Jahre genehmigen. So kann das Management den richtigen Zeitpunkt kurzfristig wählen, zu dem junge Aktien auf den Markt gebracht werden.

Ordentliche und bedingte Kapitalerhöhungen

Bei einer ordentlichen Kapitalerhöhung gibt das Unternehmen neue Anteilsscheine aus. Deren Preis liegt zwischen dem Nennwert der Neuaktie und dem Börsenkurs der Altaktie am Tag der Ausgabe. Wieviele neue Scheine auf den Markt gebracht werden, ist nicht begrenzt. Meistens sind die Jungaktien günstiger, um sie für Anleger attraktiv zu machen.

Eine Sonderform stellt die bedingte Kapitalerhöhung dar. Hierbei gibt die AG nicht direkt neue Aktien aus, sondern nur Anrechte auf den Kauf zu einem späteren Zeitpunkt. Dies können Wandelschuldverschreibungen oder Optionsanleihen sein, die zum Erwerb von Aktien berechtigen.

Gewissermaßen das Gegenstück zur Kapitalerhöhung ist der Aktiensplit. Hierbei bleibt das Grundkapital einer AG unverändert. Nur die Anzahl der ausgegebenen Papiere vervielfacht sich.

Bezugsrechte können ausgeübt oder verkauft werden

Wenn ein Unternehmen mehr Aktien ausgibt, als ursprünglich im Handel waren, dann sinkt der Besitzanteil eines einzelnen Papiers. Diejenigen Anleger, die bereits Aktien besitzen, könnten also benachteiligt werden. Um das zu verhindern, unterbreitet die AG jedem Altaktionär ein Angebot zum Bezug der neuen Papiere. Nimmt der Anleger dies an, so bleibt sein Anteil am Grundkapital in gleicher Höhe erhalten. Hierüber wird er von dem Unternehmen informiert und hat dann zwei Wochen für seine Entscheidung Zeit.

Sollte der Altaktionär sein Bezugsrecht nicht wahrnehmen, so kann er es verkaufen. Der Preis wird aus der Differenz zwischen dem alten Papier und der neuen, günstigeren Aktie unter Berücksichtigung des Bezugsverhältnisses ermittelt. Sind die neuen Aktien stark nachgefragt, dann kann das Bezugsrecht an der Börse auch zu einem höheren Preis gehandelt werden.

Beispiel für die Wertermittlung eines Bezugsrechts

Ein Unternehmen erhöht sein Kapital von 50 Mio. € auf 60 Mio. €
Bestandsaktionäre erhalten das Angebot, für jeweils fünf alte Aktien eine neue zu kaufen (Bezugsverhältnis 5:1)
Der Kurs der alten Aktie steht bei 20 €, der der neuen wird auf 10 € festgesetzt.
Der Anleger besitzt demnach 6 Anteile im Gesamtwert von 110 € (5 x 20 € + 1 x 10 €).
Pro Anteil ergibt sich ein neuer Wert von 18,33 € (110 € / 6).
Die Differenz von 20 € und 18,33 € – also 1,67 € ist der Wert des Bezugsrechts.
Ermittlung des Werts eines Bezugsrechts

Am vorletzten Börsentag vor Ablauf der zweiwöchigen Bezugsfrist beginnt der Handel der Bezugsrechte. Die Altaktien erhalten dann einen Abschlag und das Kürzel „ex BR“ (nach Bezugsrecht). An diesem Tag können Anteilseigner zwar ihre Altaktien verkaufen, jedoch nur zum niedrigeren Preis der Neuaktien. Deshalb ist es ratsam, ein paar Tage mit dem Verkauf zu warten, bis die neuen Papiere im Depot eingebucht sind.

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